Was der Westen übrig ließ 1

Die DDR war ein Land mit lauter seltsamen Dingen und Menschen, die nicht im ZDF aufgetreten sind. Zumindest ist dies die Sicht von Menschen aus den anderen Zonen. Und damit sie verstehen, worum es sich jeweils handelt, hat der Stern unter der Überschrift „Was vom Osten übrig blieb“ eine Galerie gebastelt, die immer dann eingeblendet wird, wenn irgendein ostrelevanter Text erscheint. Leider gibt es hier keine Übersichtsseite, deswegen alles im Überblick:

  • Matthias Sammer
  • Rotkäppchen-Sekt
  • Carmen Nebel
  • Spee-Waschmittel
  • Hans Meyer
  • Florena-Creme
  • Radeberger Bier
  • Zetti Knusperflocken
  • Wolfgang Stumph
  • Sandmann
  • Spreewälder Gurken
  • Bautz’ner Senf
  • Leckermäulchen

Schön. Es bleiben also Fußballer und Nahrungsmittel.

Und man muss zwischen den Zeilen lesen: Kaum eine dieser Personen, kaum ein Produkt ging übergangslos von der DDR-Zeit in die Zeit danach über — die Firmen wurden durch die Treuhandanstalt abgewickelt und konnten sich erst nach einigen Jahren wieder etablieren. Wenn überhaupt. Auch der Sandmann wurde ursprünglich eingestellt und erst nach Protesten wieder ins Programm gehoben.

Und es gibt Mogelpackungen: Spee gehört zum Henkel-Konzern (Düsseldorf), Florena zur Beiersdorf AG (Hamburg), Bautz’ner Senf zu Devely Senf & Feinkost (München), Leckermäulchen zu Frischli (Rehburg-Loccum in Niedersachsen). Matthias Sammer hat seine Karriere nach 1990 ausschließlich in Vereinen in westdeutschen und westeuropäischen Städten verfolgt: Stuttgart, Mailand, und Dortmund und wurde vielleicht deswegen erfolgreich, weil er eben nicht auf seine Ost-Herkunft abgehoben hat.

Sicher, global operierende Konzerne sind heutzutage allgegenwärtig, das heißt aber auch: Nicht alles, wo „Osten“ draufsteht, eignet sich zur Identitätsstiftung (Ost), sondern höchstens zur Gewinnmaximierung (West). Denn was vom Osten übrig bleibt, steht im (wirtschaftlichen) Interesse des Westens.

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