Rassismus als Generationskonflikt

Erstaunlich, dass es solange gedauert hat, bis diese These in die mediale Öffentlichkeit gedrungen ist: „DDR‐Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt“ titelt die Mitteldeutsche Zeitung.

Im Artikel selbst klingt das dann doch etwas anders, denn der Dresdner Politologe Werner Patzelt führt darin die Morde der „Zwickauer Zelle“ auf einen einfachen Generationenkonflikt zurück . Das liest sich dann so:

in einer „sich antifaschistisch gebenden Gesellschaft“ habe man kommunistische Eltern am meisten mit dem ‚Bekenntnis zum Faschismus‘ ärgern können.

Dazu, wie daraus tödliche rassistische Taten entstehen konnten, gibt der Artikel keine Auskunft. Mögliche Erklärungsansätze wie der Wende als Umbruchserfahrung oder immerhin 20 Jahre in einem anderen Land (also der Großteil der Lebenszeit der Personen, um die es geht) werden gar nicht erst in Erwägung gezogen.

Auch gibt dieser Satz eher Rätsel auf: „die Mehrheit der 17 Millionen ehemaligen DDR‐Bürger beweise, dass die DDR‐Sozialisation nicht zwangsläufig zu rechtsradikaler Gewalt geführt habe.“

Zum Schluss fordert Patzelt schließlich einen Vergleich zwischen DDR und NS‐Staat ein — die Gemeinsamkeiten zwischen DDR‐Sozialismus und Nationalsozialismus (z.B. Militarisierung und „Verachtung von Bürgerlichkeit und Intellektualität“) seien bislang zu wenig beachtet worden. Solche Vergleiche dienten allerdings dazu, das 3. Reich zu verharmlosen und die DDR undifferenziert zu betrachten, wie Wolfgang Wippermann in seiner Streitschrift „Dämonisierung durch Vergleich“ kritisiert.

Glückwunsch, Mitteldeutsche Zeitung! Dies ist ein Paradebeispiel für eine Verharmlosung von Rassismus und Nationalsozialismus, gespickt mit DDR‐Dämonisierung.

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