DDR‐Design: Depot statt Museum 2

Man stelle sich vor: Ein Museum verfügt in seinem Depot über mehr als 160.000 Gegenstände und alles, was dem zuständigen Kurator dazu einfällt, ist:

„Eine Design‐Ausstellung wird es nicht geben.“

Abwegig? Genauso ist es geschehen: Am 15. 03. 2012 lud das Museum der Dinge in Berlin zu einer Diskussionsrunde — und bereits der Titel war verräterisch: „DDR‐Design – zu Recht vergessen?“ Das klingt, als sei es eine legitime Frage, ob man sich überhaupt mit Dingen der Vergangenheit beschäftigen sollte. Ob man der DDR eine eigene Design‐Kultur, eine eigene Kreativität zugestehen könne. Mit Fragen wie diesen beschäftigt man sich am besten an den Design‐Stücken selbst. Doch das lässt der Kurator des Bonner Hauses der Geschichte, Dietmar Preißler, nicht zu — siehe Zitat oben. Und auf diese Weise wird die Antwort bereits vorweg genommen. Dieser Umstand ist umso brisanter, da der Rat für Formgebung derzeit ein deutsches Design‐Museum plant. Böte dies nicht Platz, das Design der DDR und der ehemaligen BRD in Beziehung zu setzen? Es sieht leider nicht so aus, als sei dies gewünscht.

Die Gegenstände aus der DDR bleiben vorerst im Depot in Berlin‐Spandau. Zumindest 1000 Objekte seien online verfügbar, allerdings ist die entsprechende Datenbank zur Zeit nicht verfügbar. Wie auch immer — das ändert nichts daran, dass westdeutsches Design als deutsches Design im Museum zu finden ist, während ostdeutsches Design nicht öffentlich zugänglich ist:

„Es ist ein Skandal, dass sie seit Jahren im Depot sind“,
so lautet denn auch das Urteil des Designhistorikers Walter Schieffele.

Die Zitate stammen aus dem Veranstaltungsbericht der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Weitere Eindrücke gibt es beim Berliner Tagesspiegel.

2 thoughts on “DDR‐Design: Depot statt Museum

  1. Reply ostdenken Apr 1,2012 20:04

    … und ein Vortrag über ostdeutsche Formgestaltung an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle/Saale fiel leider wegen Krankheit der Referentin aus. http://www.burg-halle.de/hochschule/information/aktuelles/details/a/archiv-ostdeutsche-formgestalter-faellt-aus.html

    Allerdings kann man jedes Jahr am Wochenende um den 15. Juli zur Jahresausstellung der Burg http://www.burg-halle.de/hochschule/hochschulkultur/jahresausstellung.html im HERMES‐Gebäude, 1. Etage, das Archiv besuchen, in dem die Zeichnungen und Formentwicklungen der damaligen Studenten aufbewahrt werden.

  2. Reply Silvio Aug 15,2012 19:53

    und gerade ist eine Mail mit Hinweis auf diese Ausstellung in Wernigerode hereingekommen: http://www.form-gestaltung-ddr.de/

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