DDR‐Haft und BRD‐Haftung

Ehemalige politische Häftlinge der DDR bekommen nach einem Bericht des NDR kaum Entschädigung für ihre verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden. […] Nicht immer seien Gutachter ausreichend qualifiziert, um das Leid der Antragsteller bewerten zu können.

Meldung der dpa auf Ostsee-Zeitung.de

Das ist doch wirklich abstrus: Die DDR‐Gefängnisbedingungen für politische Häftlinge schaffen es wie im Fall Ikea immer wieder in die Medien, begleitet von großem Aufschrei. Folter und lebenslange Folgen ziehen offenbar immer.

Die heutige Situation der Betroffenen interessiert dagegen kaum. Ob es sinnvoll ist, dass die Beweislast bei ihnen liegt, darüber ließe sich streiten. Es sollte aber selbstverständlich sein, dass ihre Gutachter und Gutachterinnen auch qualifiziert ihr Urteil fällen. Schließlich richten sie über den Lebensweg eines Menschen, beeinflussen dessen künftigen Weg. Dieser unprofessionelle Zustand schmeckt unter dem Eindruck des medialen Getöses besonders bitter: Wie soll man da die Klagen über das unmenschliche DDR‐System ernst nehmen können?

Und wie sehen das die Betroffenen selbst? Als Gefängnis‐Testimonials dürfen sie für Auflagen sorgen — ansonsten wird ihnen eher keine öffentliche Stimme zugestanden. DDR‐Häftlinge sind wohl nur relevant, wenn es um die DDR geht.

Kommentar verfassen