Wenn das Bildungsniveau von Osten nach Westen fällt 1

„Ein Grund für das gute Abschneiden der ostdeutschen Länder ist tatsächlich die Tradition der polytechnischen Bildung in der DDR“, glaubt Hans Merkens, Erziehungswissenschaftler an der Freien Universität (FU). „Diese Art Bildung war technikfreundlicher als die Allgemeinbildung in der Bundesrepublik.“ […] Auch die Lehrerausbildung sei viel praxisnäher gewesen. […] Erst jetzt werde dieser Praxisbezug wieder in die gesamtdeutsche Lehrerausbildung übernommen, so Merkens.

Erziehungswissenschaftler Hans Merkens in der Berliner Zeitung

Ein Bildungstest des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen hat Neuntklässler in naturwissenschaftlichen Fächern überprüft. Und ein überraschend deutliches Bildungsgefälle Ost‐West festgestellt — bislang konnten Unterschiede eher von Norden nach Süden ausgemacht werden. Ost/West? Kaum ein Artikel stellte sich einer so naheliegenden Interpretation wie einleitendes Zitat. Man nehme etwa den Bericht der Süddeutschen Zeitung, die ansonsten durchaus auf das Erbe der DDR Bezug nimmt, hier aber kaum Ursachen für das Testergebnis aufzeigt.  Im Tagesspiegel kommt zudem eine Stimme zu Wort, die das Ergebnis gar nicht so toll findet:

„Erschreckend“ nannte dagegen der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz‐Peter Meidinger die großen Leistungsunterschiede im Ländervergleich. Deutschland dürfe sich nicht damit abfinden, „weil damit auch unterschiedliche Zukunftschancen verbunden sind“.

Komisch. Solange noch das Nord‐Süd‐Gefälle galt, wurde eher gefragt, wie die Bundesländer von Bayern lernen könnten. Erschreckend war dies nie.

One comment on “Wenn das Bildungsniveau von Osten nach Westen fällt

  1. Reply Franziska Okt 18,2013 15:00

    Vielleicht wurde sich schon damit abgefunden, dass Norddeutschland (also alle Bundesländer, die nicht mit „Ba‐“ beginnen) wohl nie an den Süden anknüpfen wird. Interessant dabei ist, dass das Nord‐Süd‐Gefälle gerne auf finanzielle Aspekte zurückgeführt wird, während hier also tatsächlich ein Ausbildungsunterschied besteht. Das lässt sich auch schlecht im Wahlkampf vermarkten. „Mehr Geld für die Bildung“ ist ein leichtes Versprechen, aber „Gute Lehrende ausbilden“? Das ist ein Wettbewerb, bei dem sich manch einer schämt, ihn beginnen zu müssen.

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