Skandale ohne Kontext

Es gibt eine ganze Reihe von Motiven, um DDR-Realitäten zu skandalisieren. Medien sind an guten Einschaltquoten und hohen Auflagen interessiert. Andere erfreuen sich daran, durch Skandalmeldungen die eigene Wichtigkeit gesteigert zu erleben. Es gibt auch das Vergnügen am Beschuldigen, weil es erlaubt, auf andere herabzusehen und sich selbst als moralisch überlegen zu fühlen. Beschuldigen ist gar nicht so selten ein Akt der Überwältigung und der Demütigung. Aber ganz vorne in der Reihe der Motive stehen Entschädigungsansprüche.

Der Theologe und Dissident Richard Schröder schreibt in der FAZ zu den aktuellen Vorwürfen der Häftlingsarbeit in der DDR. Sein umfangreicher Beitrag plädiert dafür, diese Vorgänge zu kontextualisieren: Innerhalb der DDR und im Rahmen der deutsch-deutschen Beziehungen während des Kalten Krieges. Und er warnt davor, diese Vorfälle nur zu skandalisieren, um damit aktuelle Forderungen zu durchzubringen.

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