Die subversive Schnauze

Wer als ostdeutsch sozialisierter Mensch darüber schreibt, wie westdeutsch sozialisierte Menschen den ostdeutschen Osten sehen, der braucht oft einiges an subversivem Potenzial; vor allem, wenn diese ostdeutsche Sicht auf die westdeutsche Sicht westdeutsch herausgegeben wird.

Holger Witzel tut dies seit 2009 in seiner Glosse „Schnauze, Wessi“ auf stern.de. Nun sind diese Glossen in Buchform erschienen — und darüber, wie dieses Buch zustande gekommen ist, gibt es eine eigene Glosse. Wie schwierig es dabei ist, nicht bei DDR-Nostalgie oder Humorbüchern zu landen und dabei all die Stereotypen fortbestehen, wird hier besonders auffällig — denn genau darum geht es in „Schnauze, Wessi“:

So kann ich nur hoffen, dass die eigentlichen Adressaten ordentlich dafür blechen, sich beschimpfen zu lassen: Wie bei einer Domina sollen sie dafür nicht etwa Schmerzensgeld bekommen, sondern für alles bezahlen. Sind sie ja gewohnt aus dem Osten, werden sie denken. Aber das ist genauso ein Irrtum, wie sich die überraschend freundlichen — das kann man ruhig auch mal zugeben — Verlagsleute vielleicht einen anderen Selbstvermarktungs-Text zum Verkaufsstart ihres Buches vorgestellt haben.

„Bürgerrechtler“ 2

Mit das Schlimmste, was einer sozialen Bewegung passieren kann, ist es, wenn ihr die Selbstbezeichnung aberkannt wird und sie so von außen benannt und instrumentalisiert wird. So ist es mit den Protagonistinnen und Protagonisten der Bürgerrechtsbewegung der DDR im vereinten Deutschland geschehen.

Quatsch? Doch: Diejenigen, die Kritik an der Herrschaft in der Deutschen Demokratischen Republik übten, verstanden sich nämlich nicht als Bürgerrechtler — sie bezeichneten sich selbst als Opposition. Hans-Jochen Tschiche sagt dazu im Interview mit dem Freitag:

Ich bin kein Bürgerrechtler. Diesen Namen haben sie uns im Westen gegeben, das Wort kannte ich zu DDR-Zeiten gar nicht. […]

Durch die Kandidatur von Joachim Gauck höre ich es nun immerzu. Aber „Bürgerrechtler“ klingt für mich so, als hätten wir damals gewollt, dass alles so wird wie heute. […] Wir sind aber damals nicht nur für die Freiheitsrechte angetreten, sondern es ging uns um drei Dinge: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und wir vertraten eine grundsätzliche Kritik der modernen Industriegesellschaft.

Woher die neue Bezeichnung kam, kann ich nur vermuten: Sicherlich ist sie beeinflusst von den bekannten Bürgerrechtsbewegungen, vor allem dem civil rights movement in den USA unter Martin Luther King. Wahrscheinlich steckt auch die Vorstellung dahinter, dass nur Bürger für die eigenen Rechte auf die Straße gehen würden, nicht aber Arbeiter und Bauern — man beachte die doppelte Bedeutung von „Staatsbürgertum“ (alle Angehörigen eines Staates) und „Bürgertum“, das vor allem auf die Mittelschicht abhebt.

Unterschlagen wird dabei, dass es der Opposition in der DDR um Menschenrechte ging — es ging ihnen also nicht nur um eine Verbesserung der Zustände in der DDR allein. Man kann dies utopisch finden oder aber leugnen, dass dies notwendig gewesen wäre. Dies ist geschehen, indem sie als „Bürgerrechtler“ auf ihr eigenes Land beschränkt werden. Mit dieser Bezeichnung sieht es nun also so aus, als hätte die DDR-Opposition die BRD-Zustände haben wollen — und die Bundesrepublik kann sich so als das gelobte Land des Widerstandes inszenieren.

Das ist das vielleicht bitterste Ergebnis der oppositionellen Bewegung der DDR: Sie bekamen im Westen ein neues Label, mit dem sie sich überhaupt nicht identifizieren können und das ihre Ziele fehldeutet. Und das, was sie tatsächlich erreichte, wurde ebenfalls fremdbenannt und fremdgedeutet: Der Begriff „Wende“ stammt von Egon Krenz, erwähnt er ihn in seiner Antrittsrede am 18. Oktober 1989. (Update: Hier die vollständige Rede von Krenz mit dem entsprechenden Wortlaut als PDF. Zuvor habe ich auf diesen Text verwiesen. Dessen Autor Eckhard Jesse sollte allerdings mit Vorsicht gelesen werden, da er die in Politologenkreisen umstrittene Extremismustheorie mitbegründet hat und auch für eher rechtslastige Positionen bekannt ist.)

Der Osten bleibt wirtschaftlich zurück

Das lässt tief blicken: Das Bundeskanzleramt hält seit über einem Jahr eine kritische Studie zum Solidarpakt zurück: Demnach bringe eine weitere Förderung der Neuen Bundesländer nichts mehr, denn es gebe keine  export- und forschungsstarken Unternehmen sowie Konzernzentralen. Erschwerend komme der Wegzug junger und gut ausgebildeter Menschen hinzu. Das Fazit:

„Die Vorstellung einer vollständigen Angleichung des Ostens an das Westniveau ist eine Illusion.“

Wieso wird die Veröffentlichung bislang verhindert? „Das Gutachten gefällt politisch nicht“, zitiert die FAZ eine involvierte Person. So fürchte sich die Bundesregierung vor einer neuen Ost-West-Debatte.

Was wahrscheinlich noch hinzu kommt: Solange die Fördermaßnahmen bestehen, kann die Regierung darauf verweisen, dass sie ja etwas für den Osten tue: Fassaden verputzen und Einkaufszentren bauen, auch wenn damit offenbar nichts an den Ursachen verändert wird. Denn ohne Jugend und eigenständige Wirtschaft bleibt es reine Oberflächenkosmetik.

Ein Stopp des Geldflusses trotz offenkundiger Unterschiede zwischen Ost und West — das wäre im Prinzip eine Bankrotterklärung  der gesamten Einigungspolitik, obwohl das schon seit dem Vorgehen der Treuhandanstalt absehbar gewesen wäre.

Ein weiteres Zurückhalten der Studie kann sich das Kanzleramt aber ebenso wenig leisten — wenn es die Werte der Freiheit (in diesem Fall: Informationsfreiheit) und der Mündigkeit der Bevölkerung ernst nimmt.

Mythos Gauck: Der Superossi 2

Die Medien überschlagen sich in ihren Beiträgen zu Joachim Gauck geradezu mit Lobeshymnen. Dabei fällt vieles unter den Tisch. Eine kleine Auswahl, wie der Präsidentschaftskandidat zum „Superossi“ (so Anja Meier in der taz),  zum „Heiland der westdeutschen Demokratie“ (Holger Witzel in seiner Glosse beim stern) oder zur „Bundes-Freiheitsstatue“ stilisiert wird — und was tatsächlich dran ist:

Alle wollen Gauck

So der Stimmungseindruck, der oft vermittelt wird — bis auf ein paar Internet-Verschwörungstheoretiker und die Linkspartei wollen ihn einfach alle. Dabei ist das gar nicht so eindeutig, so findet der stern in einer Umfrage heraus: Nur 62% der Ostdeutschen sind für Gauck. Eine Umfrage auf der Website des mdr war noch desaströser. Hier waren 78% gegen Gauck, das mag der Grund sein, warum der Sender plötzlich die Seite entfernt hat. Wie ernst man Umfragen auch nehmen mag: Im Osten ist Gauck offenbar nicht so beliebt, wie in den Medien gerne vermittelt wird.

Gauck litt in der DDR

Während der Spiegel ein Leben im Widerstand zeichnet, lassen sich auch andere Dinge finden. So erhielt Gauck einen VW-Transporter durch das Ministerium für Staatssicherheit gestellt und genoss weitere Privilegien, die für viele Menschen in der DDR nicht selbstverständlich waren. Leiden und Unterdrückung sieht anders aus.

Gauck war Bürgerrechtlicher

„Bürgerrechtlicher“ — das ist wohl das häufigste Stichwort, wenn es um Gauck geht. Und es wird selten geklärt, was damit gemeint ist. Dabei gibt es durchaus eine breite Bedeutung, wie sie der Theologe Friedrich Schorlemmer anbringt: „Bürgerrechtler ist man entweder immer – oder man ist es nie gewesen.“ Oder man kann ganz spezifisch diejenigen meinen, die gegen die Zustände in der DDR gearbeitet haben. Und da sieht es nicht mehr so gut für Joachim Gauck aus. Während viele in den Bürgerrechtsbewegungen verfolgt wurden, wartete der Pfarrer mit seinem Protest bis zur letzten Minute, tatsächlich hat er nie zur DDR-Opposition gehört.

Und es kommt Kritik von denen, die es am besten wissen müssen: Menschen aus der Opposition, die bereits Jahre vor dem Mauerfall auf einen ungewissen Ausgang hin arbeiteten: So findet Hans-Jochen Tschiche: „Gauck ist die falsche Person“. Man mag diese Kritik abtun und als alte Konflikte bezeichnen. Beeindruckend bleibt jedoch ein Offener Brief von 1999, von dem im Moment überhaupt nicht gesprochen wird. Unterzeichnet ist er von Judith Demba, Bernd Gehrke, Renate Hürtgen, Thomas Klein, Silvia Müller, Sebastian Pflugbeil, Christina Schenk, Reinhard Schult und Bettina Wegner und sie fordern:

„Vorerst aber sprechen wir Ihnen das Recht ab, sich auf uns zu berufen, wenn Sie über die Opposition in der DDR sprechen.“

Auch die Begründung für diese Forderung ist unbedingt lesenswert — zeigt sie doch, dass die Angehörigen der ehemaligen Opposition bei ihm nicht sehen, wofür er als Bürgerrechtler einstehen sollte: Bürgerrechte.

„Wir wollten nicht nur mehr Mitbestimmung, wir wollten Teilhabe und Selbstbestimmung. Wir wollten nicht nur die papierne Freiheit, sondern auch soziale Gerechtigkeit. Fragen Sie die vielen Arbeitslosen, fragen sie vor allem auch die Frauen aus der ehemaligen DDR, was sie von der Koexistenz von Meinungsfreiheit und Obdachlosigkeit, von Versammlungsfreiheit und Erwerbslosigkeit, von Reisefreiheit und Sozialhilfebedürftigkeit halten.“

Trotz all der Ungereimtheiten und der Widersprüche bleiben sie wichtige Fixpunkte bei der Mythenbildung um Joachim Gauck als Erlöser: Die Zustimmung im Volk, seine schwierige DDR-Zeit und seine Aktionen als Bürgerrechtler, die das Ende der DDR mit herbei führten.

Die Frage ist nur: Warum diese unkritische Beschäftigung mit dem Kandidaten für das Präsidialamt?

Wahrscheinlich ist: Gauck soll so sein, weil man so im Westen gerne die „guten“ Menschen aus der DDR sehen möchte: Eine schwierige Zeit in der Diktatur gehabt, aber für die Freiheit gekämpft. Und jetzt sollen sie die westlichen Werte von Freiheit und Verantwortung bitte schön lieben. Ganz so wie Joachim Gauck, der Superossi.

Ein paar Links via fefes Blog, ein paar andere von Anna, vielen Dank!

Gauck und Merkel: Als die Ossis die Macht übernahmen 4

Erstaunlich wenig ist davon zu hören, dass (wahrscheinlich) zwei Ostdeutsche die wichtigsten politischen Ämter in der Bundesrepublik besetzen werden. Die Blätter sind voll von Berichten über Joachim Gauck, seine DDR-Zeit, seine Zeit in einer Behörde, die lustigerweise genauso hieß wie er selbst und vor allem über seine Gedanken zu Freiheit und Verantwortung. Aber das ostdeutsche Duo, das ist offenbar nur ein Nischenthema. Vielleicht weil es nach 20 Jahren einfach nicht mehr relevant ist, aus welchem ehemaligen Teil Deutschlands jemand stammt?

Vielleicht doch. So schreibt Cornelius Pollmer im Magazin der Süddeutschen Zeitung:

Ja, als Ostdeutscher darf man sich einen Moment freuen, dass bald zwei Ostdeutsche höchste Ämter im Staat innehaben – es gibt wenig genug von ihnen in wichtigen Positionen. Gleich danach aber darf man sich bewusst machen, dass es nichts zu bedeuten hat. Der Bundespräsident soll ein Bundespräsident aller sein, ganz gleich, ob er nun aus dem Westen kommt oder aus dem Osten

Er sieht es als eine Gelegenheit, dass Ostdeutsche nun nicht nur Gegenstand, sondern auch Teilhaber an öffentlichen Debatten werden können: Gauck als Vorbild. Inwieweit diese Erwartung gerechtfertigt ist, muss sich zeigen — trotz einer in Hamburg geborenen DDR-Physikerin hat sich in dieser Hinsicht nicht viel getan.

Und auch im Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik ist es immer noch ein Thema, woher die Menschen stammen. Auch wenn es selten so drastisch-plump formuliert wird wie von Achstaller-Erhard im Blog der Augsburger Allgemeinen:

Unsere westdeutschen Politiker lassen sich das Heft aus der Hand nehmen von den ehemaligen DDR-Bürgern. […] Zuerst unsere Kanzlerin, jetzt dann der Bundespräsident und unsere saubere Linkspartei, alle kommen sie aus der ehemaligen DDR. Wenn wir nicht aufpassen, so werden wir bald wieder ostdeutsche Verhältnisse bekommen. […] Früher haben wir über die DDR geschimpft und heute kriechen wir ihnen in den Hintern.Wir haben im Westen Deutschland auch gute Politiker und müssen nicht in den neuen Bundesländern Ausschau halten.

Er formuliert Vorbehalte gegenüber „Stasileuten“ und Ostdeutschen insgesamt. Es sind geradezu klassische Ängste vor einer Überfremdung, die hier zum Ausdruck kommen: Der östliche Teil Deutschlands ist in der Sicht des Autors eine fremde Kultur und nicht wirklich Teil der BRD.

Möglicherweise ist dies der Grund, warum die Kombination Merkel/Gauck kaum thematisiert wird: Sie sind neben allen parteitaktischen Überlegungen immer noch ein Reizthema, die mächtigen Ossis. Und reizen kann nur, was ungewöhnlich ist und/oder in der Vorstellungswelt nicht vorgesehen ist.

Danke an Mareen für den Hinweis.

Farben und Vergangenheit

Manchmal ist verblüffend, was westsozialisierte Menschen heute noch überraschen kann:

„Wir waren erstaunt, wie viel Farbe es in der DDR gab.“

sagt Regisseur Christian Petzold im Interview mit der Berliner Zeitung. Kein Wunder, wenn ausgeblichene Farben als Standardmalkasten für die typische Darstellung dieses Landes dienen.

Auf der Suche nach dem braunen Erbe der BRD 1

„Das braune Erbe der DDR“ schreibt die Berliner Zeitung martialisch in einer Überschrift zu einer gleichnamigen Veranstaltung der Bundesstiftung Aufarbeitung. Die Zahlen sind tatsächlich besorgniserregend: 59% der Menschen in Ostdeutschland stimmen demnach der These zu, dass es zuviele Ausländer_innen in Deutschland gebe. Nur: Im Westen treffen 44,5% diese Aussage — ein Wert, der kaum weniger brisant sein sollte. Entsprechend heißt es im Artikel auch:

„Der Osten hat mit dem Rechtsextremismus nicht allein ein Problem; er hat damit allerdings ein besonderes Problem.“

Als Erklärungsansätze für den Zustand im Osten Deutschlands werden auf der Podiumsdiskussion genannt: Im Zuge der DDR-Erfahrung habe es mehr autoritäres Denken gegeben. Es gebe ein Gefühl der Benachteiligung gegenüber Westdeutschen, das viele Menschen an Minderheiten ausließen. Die Nachwende-Zeit habe sichtbar gemacht, was vorher schon angelegt gewesen sei. In den letzten 20 Jahren sei der Zustand politisch deutlich unterschätzt worden.

Für den Zustand im Westen Deutschlands werden keine Erklärungen geliefert.

Dies sollte verwundern, lautete doch der Untertitel der Veranstaltung: „Rechtsextremismus in der DDR und im vereinigten Deutschland“. Und zum vereinigten Deutschland gehört eben auch das westliche Gebiet der Republik.

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht darum, das Problem fremdenfeindlicher Ansichten im Osten Deutschlands abzustreiten. Es ist allerdings besorgniserregend, wenn durch die Fixierung auf den Osten Rassismus und Rechtsextremismus nicht als gesamtdeutsche Probleme wahrgenommen werden. Denn das sind sie, wie auch der jüngst veröffentlichte Antisemitismusbericht aufgezeigt hat — demnach gleicht sich der Anteil antisemitisch eingestellter Menschen in beiden Gebieten an. (vgl. S.60)

Westzentriertes Wikipedia-Abschreiben

Die innerdeutsche Grenze, im Volksmund auch „Zonengrenze“ genannt, teilte die DDR und Westdeutschland 40 Jahre lang auf einer Länge von fast 1400 Kilometern.

schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) in ihrer heutigen Ausgabe. Und zeigt, wie man bereits in einem Satz journalistisch schlampig arbeiten kann:

  1.  „DDR“ und „Westdeutschland“ sind keine gleichwertigen Begriffe: „DDR“ ist die offizielle Abkürzung für „Deutsche Demokratische Republik“, mit „Westdeutschland“ wurde eher inoffiziell die ehemalige Bundesrepublik von innen und außen bezeichnet. Solche nicht-gleichwertigen Kombinationen treten häufig auf — oft steht die abgekürzte „DDR“ dann auch neben einer „Bundesrepublik“. Sprich: „Republik“ und „Deutschland werden ungern ausgeschrieben, wenn es um die Deutsche Demokratische Republik geht.
  2. Das mit dem Volksmund ist ja eine schwierige Sache, besonders in der historischen Rückschau. Eins kann hier aber sicher sein: „Zonengrenze“ wurde wie „Zone“ höchstens in der ehemaligen BRD benutzt — schließlich verstand sie die DDR bis 1969 nicht als eigenständigen Staat. Die Menschen in der DDR sagten übrigens in der Regel nicht „Antifaschistischer Schutzwall“, wie es die politische Führung gerne gehört hätte. Stattdessen sagten sie wohl schlicht und einfach „Die Grenze“. Manchmal kann es so einfach sein mit dem Volksmund.
  3. Vielleicht würde es auch helfen, richtig aus der Wikipedia abzuschreiben — von dort stammt nämlich das Zitat. Dort allerdings deutlich schlauer, was Punkt 1 und 2 betrifft. In der FAS wurde das dann auf Westsicht eingekürzt:

Als innerdeutsche Grenze, im allgemeinen Sprachgebrauch oft auch deutsch-deutsche Grenze oder „Zonengrenze“ genannt, wird die ehemalige knapp 1400 Kilometer lange Grenze zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet.

sammlung: rechter terror als als ost-west-thema 2

vor einiger zeit hatte ich etwas zu jana hensels versuch geschrieben, rechten terror als ost-west-thema zu bearbeiten.

am gleichen tag, wie hensels artikel, ist in der Zeit der nicht weniger seltsame text Wendekinder: Sind sie die finsteren Kinder der Einheit? von Andrea Hanna Hünniger erschienen. Hünniger beglückt die leser_innen ebenfalls mit einem autobiografischen text, wobei sie nazi-sein irgendwo zwischen ostdeutschem lifestyle und mode à la 90er jahre und unwissenheit über „das andere“ („Juden oder Türken“) einordnet. dass rassismus (und rechtsradikalismus etc.) strukturell in unserer gesellschaft verankert ist und etwas mit macht(ausübung) zu tun hat und nicht mit schnöder unwissenheit, lässt sich z.b. hier nachlesen.

und auch bei Hünniger fällt damit der gesellschaftliche und politische aspekt von rechtsradikalismus und rassismus im heutigen deutschland raus: auch in ihrem text werden nazis als kinder ihrer zeit und ihrer ostdeutschen herkunft dargestellt, die irgendwie aus dem ruder gelaufen sind…

Vom verfassungsfeindlichen Osten 2

Eben noch war der Verfassungsschutz in der Kritik, weil er jahrelang rechtsextreme Aktionen nicht als solche wahrnahm und den betroffenen Gruppen selbst in die Schuhe schob. Nun gibt es neue Vorwürfe: Die Linkspartei wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Das findet parteiübergreifenden Protest, selbst die FDP ist dagegen. Soweit sind sich also alle einig. (Bis auf Innenminister Friedrich und den Berliner Tagesspiegel, die die Linke mit der NPD vergleichen.)

Der eigentliche Skandal aber ist, dass die Kriterien des Verfassungsschutzes höchst fraglich sind. Denn eigentlich soll dieser Personen und Gruppierungen beobachten, die die demokratische Grundlage Deutschlands bedrohen. Traditionell müssten dies diejenigen sein, die innerhalb der Partei ganz links stehen. Der Verfassungsschutz denkt aber nach Spiegel-Angaben noch traditioneller: „Verfassungsschutz beobachtet fast nur Ostdeutsche“. Frei nach dem Denkmuster des Kalten Krieges also: Der Feind steht im Osten.