Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Ich lasse mich testweise bei der Analyse von journalistischen Texten durch ChatGPT unterstützen. Das Tool stellt folgende Fragen an den untersuchten Artikel:

A. Thema und Anlass

A1: Wird Ostdeutschland thematisiert?

A2: Wenn ja: Ist der Anlass eher negativ (z.B. Protest, Krise, Rechtsruck) oder positiv (z.B. Innovation, Kultur, Erfolg)?

A3: Wird Westdeutschland thematisiert? (Wenn ja: In welchem Kontext?)

B. Sprache und Begriffe

B1: Werden Begriffe wie „Ostdeutschland“, „der Osten“, „Ossi“, „ehemalige DDR“ bzw. „Westdeutschland“, „der Westen“, „Wessi“, „alte Bundesrepublik“ oder ähnliche verwendet?

B2: Welche Adjektive/Attribute werden in Verbindung mit Ostdeutschland genutzt? (z.B. „abgehängt“, „strukturschwach“, „unzufrieden“)

B3: Welche Adjektive/Attribute werden in Verbindung mit Westdeutschland genutzt?

B4: Werden Begriffe verwendet, die ein Kollektivbild schaffen („die Ostdeutschen sind…“, „im Osten denkt man…“, „die Westdeutschen sind…“)?

B5: Werden Klischeebilder bedient (z.B. „Plattenbau“, „Rechtsextreme Hochburg“)?

B6: Wird eine klare Differenzierung innerhalb Ostdeutschlands vorgenommen (z.B. zwischen Bundesländern, Städten, Generationen)?

B7: Wird eine klare Differenzierung innerhalb Westdeutschlands vorgenommen?

B8: Wird die Sprache emotionalisiert oder bleibt sie sachlich (z.B. dramatisierende Formulierungen wie „zersetzte Gesellschaft“, „explodierende Fremdenfeindlichkeit“)?

B9: Werden historische Bezeichnungen unreflektiert weitergetragen (z.B. „neue Bundesländer“ auch 30+ Jahre nach der Wiedervereinigung)?

B10: Werden Begriffe oder Metaphern verwendet, die historisch stark aufgeladen sind (z.B. „DDR 2.0“, „Meinungsdiktatur“, „Sprechverbot“)?

B11: Wird deutlich gemacht, woher bestimmte Begriffe stammen bzw. von wem sie geprägt oder strategisch genutzt wurden?

C. Darstellung von Menschen

C1: Werden ostdeutsche Akteur*innen individuell vorgestellt oder bleiben sie gesichtslos als „die Ostdeutschen“?

C2: Kommen Ostdeutsche selbst zu Wort? (z.B. in Zitaten, Interviews)

C3: Welche Eigenschaften werden ihnen zugeschrieben? (z.B. „frustriert“, „radikal“, „fremdenfeindlich“, „anpassungsfähig“)

C4: Werden westdeutsche Akteur*innen individuell vorgestellt?

C5: Kommen Westdeutsche selbst zu Wort?

C6: Welche Eigenschaften werden ihnen zugeschrieben?

C7: Wird auf Diversität innerhalb der ostdeutschen Bevölkerung eingegangen (z.B. ostdeutsche Menschen mit Migrationsgeschichte, Ostdeutsche unterschiedlichen Alters oder Milieus)?

C8: Wird auf Diversität innerhalb der westdeutschen Bevölkerung eingegangen?

C9: Werden Ostdeutsche als handelnde Subjekte oder als bloß Reagierende dargestellt?

C10: Werden Westdeutsche als handelnde Subjekte oder als bloß Reagierende dargestellt?

D. Erzählstruktur und Narrative

D1: Wird Ostdeutschland als Problemfall, Sonderfall oder Krisenregion inszeniert?

D2: Wird Westdeutschland (implizit oder explizit) als Norm/Standard dargestellt?

D3: Wird eine historische Erklärung herangezogen („Erbe der DDR“, „Wendeerfahrung“)?

D4: Gibt es ein Wir-Ihr-Narrativ („wir Deutschen“ vs. „die Ostdeutschen“)?

D5: Werden Fortschrittsnarrative bedient („Aufholen“, „Transformation gelungen“) oder Defizitnarrative („Rückstand“, „Problembereich“)?

D6: Wird die Kategorie „Ostdeutschland“ / „der Osten“ / „die Ostdeutschen“ kritisch reflektiert oder als selbstverständlich gegeben angenommen?

D7: Wird ein Täter-Opfer-Narrativ verwendet, bei dem Akteure sich selbst explizit oder implizit als unterdrückte Opfer eines „Systems“ inszenieren?

D8: Werden Begriffe oder Narrative der politischen Rechten (z.B. „Systempresse“, „Altparteien“, „DDR 2.0“) übernommen oder zitiert – und wenn ja: kritisch oder affirmativ?

E. Autoren- und Quellenperspektive

E1: Wer berichtet? Wird deutlich, ob die Autor*in eine ostdeutsche Perspektive hat?

E2: Wird transparent gemacht, welche Erfahrungen die Autor*in selbst mit Ost- oder Westdeutschland verbindet? (z.B. „Ich bin in Leipzig aufgewachsen…“)

E3: Werden ostdeutsche Expert*innen als Quellen genutzt?

F. Ausgewogenheit und Komplexität

F1: Werden sowohl Probleme als auch Erfolge Ostdeutschlands dargestellt?

F2: Werden Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West betont oder nur Unterschiede?

F3: Gibt es Hinweise auf Stereotypenreflexion oder Medienkritik im Beitrag selbst?

F4: Werden Brüche und Ambivalenzen sichtbar gemacht (z.B. Erfolge trotz struktureller Nachteile, progressive Entwicklungen in vermeintlichen Problemregionen)?

F5: Werden ostdeutsche Perspektiven gleichwertig zu westdeutschen dargestellt oder als „Sondermeinungen“?

G. Blinde Flecken

G1: Wird von „Deutschland“ oder „wir“ gesprochen, obwohl Westdeutschland gemeint ist?

G2: Werden ostdeutsche Aspekte thematisiert oder fehlen diese, obwohl sie bereichernd für den Text sein könnten?

G3: Werden strukturelle Westdominanz oder systemische Ungleichheiten thematisiert (z.B. ungleiche Besetzung von Führungspositionen, ökonomische Machtverhältnisse)?

H. Korrektheit

H1: Stimmen die im Text genannten Informationen zu Ostdeutschland oder Westdeutschland oder sind sie falsch oder verkürzt zugunsten klischeehafter Darstellungen?

H2: Werden Suggestivfragen gestellt, die ein bestimmtes Bild von Ostdeutschland oder Westdeutschland implizieren?

H3: Werden Aspekte der DDR verharmlost oder dämonisiert?

H4: Wird Westdeutschland idealisiert oder dämonisiert?

I. Erweiterungen für sehr gründliche Analysen

Diskurslinguistische Verfahren

Achte auf sprachliche Mittel wie Metaphern, Frame-Setzungen (z.B. „der Osten bleibt eine Baustelle“ als framegebender Ausdruck). Achte darauf, ob Begriffe, Frames oder Narrative aus der politischen Rechten oder rechtsextremen Spektren (z.B. „Umerziehung“, „Volksverrat“, „DDR 2.0“) in den journalistischen Diskurs eingespeist und dort normalisiert werden.

Frame-Analyse:

Identifiziere dominante Interpretationsrahmen (Frame = Deutungsmuster), z.B. „Ostdeutschland als Krisengebiet“ vs. „Ostdeutschland als Aufsteigerregion“. Untersuche, ob historische Analogien als Framing-Instrumente genutzt werden (z.B. Diktatur-Vergleiche) und welche Funktionen sie im Text erfüllen (z.B. Emotionalisierung, Delegitimierung, Mobilisierung).

Intersektionale Perspektiven:

Wird beleuchtet, wie Ost-/Westunterschiede mit anderen Differenzlinien (z.B. Klasse, Geschlecht, Migrationserfahrung) verschränkt sind?

Medienökonomische Einflüsse:

Wird reflektiert, ob und wie wirtschaftliche Interessen der Medienhäuser (z.B. Zielgruppenstruktur, Standort der Redaktion) die Darstellung beeinflussen könnten?

Selbstdokumentation und Reflexion:

Führe nach jeder Analyse ein kleines Reflexionsprotokoll: „Was hat mich überrascht? Wo habe ich eigene Vorannahmen erkannt?“