Aktuelle DDR‐Vergleiche #31 – Regulierte Managergehälter

Könnte ein Manager damit leben, wenn sein Gehalt eine politisch gesetzte Obergrenze von fünf Millionen Euro hätte? Diese Frage hat der Spiegel Matthias Müller gestellt, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Anstelle von „Nein“ fällt seine Antwort etwas ausführlicher aus:

In Deutschland besteht der Drang, alles politisch regeln zu wollen. Aber wo soll das enden? Wir hatten so was bereits einmal in Form der DDR. Da ist auch alles geregelt worden. Alles, was die Bürger frei aussuchen konnten, war die Brotsorte beim Bäcker — und selbst da war die Auswahl begrenzt. Jede Innovation wurde kaputtgemacht. In eine solche Situation dürfen wir nicht kommen.

Später sagt er im gleichen Interview:

Ich bin in der DDR geboren und habe dort später oft Verwandte besucht. Ich weiß, wie überregulierte, autoritäre Systeme aussehen. Es ist für mich ein hohes Gut, selbstbestimmt leben zu können.

So ist das also: Hohe Managergehälter sind Ausdruck von Innovation und selbstbestimmtem Leben. Und damit lernen wir auch, was unser System von autoritären Systemen unterscheidet: In diesem System gibt es mehr Geld für diejenigen, die glauben, es zu verdienen. In der DDR hingegen gab es weniger Freiheit für diejenigen, die glaubten, sie zu verdienen. Mehr ist besser als weniger. So einfach ist das.

Oder mit anderen Worten: Hätte die DDR ihren leitenden Personen mehr Geld gegeben, hätte der Sozialismus besser funktioniert. Weil mehr ist innovativer ist besser.

DDR‐Vergleiche erklären die Welt immer wieder vortrefflich.

Zähne‐Zahlen in Ost und West

Nein, sowas: Da sind die Ostdeutschen doch tatsächlich einmal den Westdeutschen voraus. Denn die Krankenkasse Barmer GEK hat den „Zahnreport“ vorgestellt. Ganz neue Erkenntnis: Die Menschen im Osten gehen häufiger zu Zahnärztinnen und Zahnärzten. Eine Erklärung gibt es natürlich auch gleich dazu:

Menschen aus der ehemaligen DDR kümmerten sich mehr um ihre Zähne, weil dort in Kindertagesstätten und Horten viel Wert auf Zahnpflege gelegt worden sei, vermutet der Vizechef der Barmer GEK, Rolf‐Ulrich Schlenker.

Das ist natürlich schön. Denn das ist nicht nur besser für die Gesundheit, sondern auch für den Geldbeutel:

Tatsächlich sind die Gesamtausgaben der Krankenkassen für Kronen und anderen Zahnersatz in den neuen Ländern deutlich niedriger als im Westen. Zudem zeigen die Zahlen der Barmer GEK, dass die Ostdeutschen im Fall der Fälle weniger aus der eigenen Tasche zuzahlen.

Äh, Moment: Wenn den zahnbewussten Ossis ihre Gesundheit dermaßen wichtig ist, sollten die doch bei der Behandlung nicht sparen. Vielleicht gibt es doch noch einen ganz einfachen Grund dafür?

Die Ostdeutschen wählen lediglich den preiswerten Standard, weil sie sich nicht mehr leisten wollen oder können. Kassen‐Vorstand Schlenker tippt auf Letzteres: „Hier zeigt sich ein Wohlstandsgefälle.“

Tja, da kann man noch so viel Prägung und Erfahrung aus Kindertagesstätten und Horten mitbringen: Mehr Geld gibt’s dadurch auch nicht. Oder vielleicht ist ein häufiger Zahnarztbesuch einfach die bessere Methode, noch mehr Kosten zu vermeiden? Ich kann mich gerade nicht entscheiden, ob eine 25 Jahre alte Prägung oder aktuelle finanzielle Sorgen wichtiger sind …

Luxus‐Gärten im Osten

Oft entsteht Ungerechtigkeit durch Unwissenheit. So auch in diesem Fall:

Ab 2013 gilt eine neue bundesweite Rundfunkgebührenordnung, in der festgelegt ist, wer wo GEZ‐Gebühren zu zahlen hat und wo nicht. Grundsätzlich hieß es: Geräte auf Kleingärten sind von der Gebührenpflicht ausgenommen. Tatsächlich betrifft dies nun „Baumaßnahmen nach Paragraf 3 des Bundeskleingartengesetzes“ — was in vielen Fällen ostdeutsche Datschen und Lauben nicht als Kleingarten anerkennt und damit von der Gebührenbefreiung ausnimmt.

Warum das? In der Bundesrepublik waren Kleingärten schon lange auf eine Größe von 24 Quadratmeter beschränkt, in der DDR hingegen auf 40 Quadratmeter. Für die GEZ‐Gebühr gilt aber nur die Obergrenze von 24 Quadratmetern — alle ostdeutschen Kleingärten, die nach klassisch‐westdeutschem Verständnis zu groß sind, müssen daher zusätzliche GEZ‐Gebühren zahlen.

Die genauen Einzelheiten bei thueringer-allgemeine.de.

Nachtrag 22.11.2011: Inzwischen gelten ostdeutsche Kleingärten auch als Kleingärten im Sinne der ARD.