„drüben“

„Drüben“, das könnte auch der Name eines Ortes sein. Und dieses kleine Wort bezeichnet auch einen Ort — einen Ort, an dem man selbst nicht anwesend ist und der damit mehr über den Standort aussagt, an dem man sich befindet: Dieses „hier“ ist eben nicht „drüben“, und dieses „drüben“ ist auch etwas näher als „dort“. Vermutlich. Denn „drüben“ ist so ungenau und unspezifisch, wie eine Ortsangabe nur sein kann.

Dass dieses „drüben“ vor allem eine Frage des Standpunktes ist, das ist auf dem ersten Blick nicht klar. Zu gerne wird es in journalistische Texte geworfen in der Annahme, dass wir alle „hier“ sind und der Rest eben „drüben“. Und so bezeichnet es mal den Osten Deutschlands, mal den Westen, mal vor dem Mauerfall, mal danach. Und weil für diejenigen, denen das „drüben“ so leichtfertig von den Lippen geht, ja alles klar ist, muss man sich mühsam heraussuchen, wofür das „drüben“ steht.

„Drüben“, das ist somit ein nahezu orakelhafter Name — ein Ort, der nahezu alles sein kann. Nur nicht das „hier“ und „jetzt“.

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