Denk‐mal‐Schutz

Kaum wird ein Gebäude in Berlin renoviert, kochen die deutsch‐deutschen Gefühle wieder hoch. So geschehen beim Berliner Fernsehturm, der für 1,5 Millionen Euro modernisiert wird: Während die (aus dem Ostteil stammende) Berliner Zeitung den neuen Komfort begrüßt und sich auch der (westdeutsch sozialisierte) Tagesspiegel auf die Rückkehr der Wohlfühlatmosphäre freut, nahm Gunnar Schupelius vom Boulevardblatt B.Z. die Bautätigkeit zum Anlass, einen Kommentar zu schreiben: Für „Ostalgie“ habe ich nichts übrig. Er ätzt darin über „Ostalgie“, die aus seiner Sicht einen verbrecherischen Staat verharmlose. Und nicht nur das: Letztlich verharmlose offenbar alles, was an die DDR erinnert, diesen Staat. Einige seiner Beispiele zeugen tatsächlich von einem gedankenlosen Umgang mit der Vergangenheit — etwa das unsägliche „Ostel“. Was allerdings so verwerflich an Broilern und der Domklause sein soll, mag sich mir nicht erschließen.

Nach einer Woche antwortet Schupelius in einem Kommentar auf die Zuschriften zu seinem Text unter dem Titel Was über die DDR gesagt werden darf. Er spult hier alte westdeutsche Klischees über die DDR ab (keine Jeans und kein genießbarer Kaffee) und kann auch hier nicht erklären, wo er die Verbindung zwischen eingeschränkten Grundrechten und Orten des DDR‐Lebens sieht. Oder wie er sich eine Auseinandersetzung mit diesem Teil deutscher Geschichte vorstellt, wenn sie nicht sichtbar sein darf. (An eine Reflektion, wie im Westen mit Orten und der Vergangenheit des Landes umgegangen wird, möchte ich hier noch nicht einmal denken.)

Und vor allem: Was hat das alles mit einer Renovierung des Fernsehturms zu tun?

Kommentar verfassen