Roland Berger in the Ost/West Mix 1

Der Unternehmensberater Roland Berger hat der Zeit ein ausführliches Interview gegeben. Zunächst wollte ich mich mit seinen Aussagen auseinandersetzen, habe aber dann aber gemerkt: Eigentlich hat er das selbst schon getan. Er spricht lobend über „wir Westdeutschen“ und kritisch über „einige“ aus dem Westen. Und zugleich weiß er, dass viele Fachkräfte im Westen aus dem Osten gekommen sind, dem nun geholfen werden muss. Von wem? Natürlich von „Wirwestdeutschen“. Und von Zuwandernden, für die die übrig gebliebenen Ostdeutschen (vulgo: „Nazis“) aber erst über mehr Kultur fit gemacht werden müssen. Die ja eigentlich aus dem Osten stammt.

Das klingt wie ein verwirrendes Selbstgespräch? Dann lassen wir doch Roland Berger selbst sprechen mit einer Montage der Aussagen seines Interview:

Der Osten hat für ganz Deutschland gebüßt, 45 Jahre sozialistisches Regime ertragen. Dafür verdient er durchaus ein Extra‐Engagement von uns Westdeutschen, vor allem eben auf persönlicher Ebene.

Es gab [nach dem Mauerfall] leider einige, die dem Ruf unserer Branche sehr geschadet haben. Zumeist Ein‐Mann‐ oder Zwei‐Mann‐Beratungen, die vom Mangel profitieren wollten. Die im Westen seit Jahren aussortiert waren und in den neuen Ländern nun mit Inkompetenz und Arroganz eine Menge Unheil anrichteten.

Eine der größten Leistungen der Westdeutschen besteht darin, Geld geschickt zu haben, um diese wunderbaren Innenstädte [im Osten] wieder aufzubauen. Aber kaum ein Westdeutscher kennt sie.

[E]s gab allerhand Exmanager, die im Westen längst ohne Job waren und vielleicht auch nicht immer zur ersten Klasse gehörten – plötzlich starteten die im Osten durch.

Das heißt, dass etwa 310000 Menschen ihre Arbeit verloren haben! Die arbeiteten zum Teil in VEBs, die vorher die großen Einzelhandelskonzerne im Westen beliefert hatten.

Der Osten braucht Investitionen, um aufzuholen.

1,8 Millionen Menschen sind abgewandert, darunter vor allem die jungen, fleißigen, unternehmerischen. Viele von ihnen tragen heute zum Wachstum in Westdeutschland bei.

[Ein Rat an die Ostdeutschen:] Sie sollten eher mit einem Lächeln zu viel als zu wenig auf ihre Mitbürger aus dem Westen zugehen. Sie sollten einem Besucher das Gefühl geben, dass man gern gesehen ist. Auch mal öfter Danke sagen wäre nicht unbedingt verkehrt.

Nur steht [der Zuwanderung aus dem Ausland] etwas entgegen: das Problem mit dem Rechtsextremismus. Ich werde den Namen Hoyerswerda nicht vergessen. Wer zweimal pro Woche im Fernsehen Neonazis durch ostdeutsche Städte marschieren sieht, möchte da normalerweise nicht hin. Was denkt da erst ein Migrant?

Wer Kultur und Bildung fördert, bekämpft Extremismus.

Der Osten ist Wiege der deutschen Kultur!

Heute tun wir gut daran, Bundeskanzlerin und Bundespräsident zuzuhören, wenn sie von ihrer Herkunft sprechen. Wir Wessis können noch viel lernen von den Ostdeutschen.

P.S.: Ich bin sehr froh, dass Roland Berger nicht die Stasi als Ursache für die wirtschaftliche Schwäche Ostdeutschlands anführt. Das war sie nämlich noch vor kurzem.

One comment on “Roland Berger in the Ost/West Mix

  1. Reply monopoli Mai 31,2014 05:56

    Bitte nicht Roland Berger, eine Treuhand reicht doch wohl aus.
    Und ich seh auch garnicht ein warum ich sie anlächeln sollte, gute Mine zum bösen Spiel find ich irgendwie schäbig. Das mit dem aufgesetztem Lächeln und Messer im Rücken ist mehr so Westniveau.

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