„Stasi-Methoden“ 1

Wenn ein Geheimdienst oder eine staatliche Behörde „Stasi-Methoden“ anwenden, dann haben sie vor allem eines nicht gemacht: Gut gearbeitet. Denn dann wären die unschönen Details dieser Arbeit nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Ein Geheimdienst muss nämlich in erster Linie geheim arbeiten, die angewendeten Methoden sollten daher schon logischerweise unter keinen Umständen die Öffentlichkeit erreichen. Tun sie es doch, ist der Aufschrei groß in Anbetracht dessen, was herausgefunden wurde: Überwachung. Sammlung von Daten. Abhörung. All dies bei Verdächtigen und auch deren Angehörigen. Stasi-Methoden? Geheimdienstmethoden!

Denn mit dem schnellen Verschlagworten als „Stasi-Methode“ geht zweierlei einher:

Zum einen werden die Aktionen des Ministeriums für Staatssicherheit verharmlost — tatsächlich sind deren weitreichenden und zersetzenden Tätigkeiten erst nach 1989 in weitem Umfang bekannt geworden. Das, was zuvor und auch heute noch mit der Stasi in Verbindung gebracht wird, kann durchaus als Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Methoden verstanden werden.

Zum anderen wird mit dem Begriff „Stasi-Methoden“ suggeriert, dass die jeweils bekannt gewordenen Aktionen Ausnahmen bei den Aktivitäten der ansonsten ’sauberen‘ Geheimdienste wären. Allein schon die Masse dieser „Ausnahmen“ sollte aber zu denken geben.

„Ehemalige DDR“ 1

Bei der „ehemaligen DDR“ handelt es sich streng genommen einen Pleonasmus und ist damit der weiße Schimmel unter den Kampfbegriffen: Eine Wortzusammensetzung, die nicht nur überflüssig ist (die DDR ist schließlich per se Vergangenheit), sondern oftmals seltsame Blüten treibt. „XYZ wurde in der ehemaligen DDR geboren“ ist immer wieder zu lesen. Doch wie kann man in einem nicht existierenden Staat geboren werden? Noch bizarrer sind Taten der Stasi, wenn sie in dieser „ehemaligen DDR“ stattgefunden haben sollen – handelt es sich dabei nicht um die heutige Bundesrepublik? Demnach wäre die Stasi noch immer aktiv und niemand tut etwas dagegen? Wie kann das sein?

Die „ehemalige DDR“ ist ein Überbleibsel aus dem Kalten Krieg. Damals sprach man in der ehemaligen BRD von der „SBZ“, der „Zone“ oder der „sogenannten DDR“. Die DDR beim Namen zu nennen, hieß sie anzuerkennen und das durfte nicht sein. Nun also „ehemalig“, selbst im Rückblick auf die Vergangenheit: Die nachträgliche Aberkennung ihrer Existenz.

Die DDR hat demnach niemals existiert.

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„Ostalgie“

Manchmal ist es bereits ein Buchstabe, der sentimentale Erinnerung von verblendeter Geschichtsvergessenheit trennt. Das „Wunder von Bern“, Urlaub im Italien der 1950er oder YPS-Hefte – das sind ausgemachte nostalgische Momente westdeutscher Geschichte. Sie bieten einen positiven Rückblick auf die persönliche Vergangenheit und die Vergangenheit ganzer Gruppen, Kritik findet in diesen Momenten keinen Platz.

Wer sich hingegen an das Tor von Sparwasser, Urlaub in Ungarn oder die Frösi erinnert, wird diese nostalgischen Momente höchstens in Sendungen des MDR entdecken können. Sie sind im westdeutschen Erinnerungskosmos nicht vorgesehen und daher wird ihnen auch das „N“ abgesprochen: Denn sie sind unvollständige, geradezu falsche Erinnerungen. Falsch, weil es keine positiven Momente in einer Diktatur geben darf. Falsch, weil es nicht einmal dieses Land geben durfte, das sie produziert hat.

„Nostalgisch“ ist also jemand, der richtige Erinnerungen mit anderen teilen kann. „Ostalgisch“ hingegen, wer falsche Erinnerungen mit sich selbst und seinesgleichen teilt.

Oder es ist einfach nur lustig: