Farben und Vergangenheit

Manchmal ist verblüffend, was westsozialisierte Menschen heute noch überraschen kann:

„Wir waren erstaunt, wie viel Farbe es in der DDR gab.“

sagt Regisseur Christian Petzold im Interview mit der Berliner Zeitung. Kein Wunder, wenn ausgeblichene Farben als Standardmalkasten für die typische Darstellung dieses Landes dienen.

Sonnenallee auf YouTube 1

Sonnenallee war 1999 (zumindest in meiner Erinnerung) der erste große publikumswirksame Film, der das Leben der DDR‐1970er zeigte, dabei die Macht des Staates nicht vergaß und auch einige Seitenhiebe auf die Westsicht abfeuerte („Huhu Ossi, mach mal Winkewinke!“).

Nach Good Bye, Lenin! (2003) und Das Leben der Anderen (2006) wird „Sonnenallee“ aber oft nicht mehr erwähnt, wenn es um die Darstellung der DDR im Spielfilm geht. Vielleicht, weil es den Alltag zeigt und damit nicht den typischen Gestaltungsmerkmalen eines DDR‐Films entspricht?

Wer das überprüfen möchte, kann dies jetzt online und ganz legal tun: Sonnenallee wird vom Filmverleih Delphi auf YouTube bereitgestellt.

Alltagslos

„Abwesend in allen Filmen über die DDR ist die Sphäre des Alltags in banaler Form“

schreibt Matthias Steinle im Freitag über Dokudramen, die sich mit der DDR beschäftigen.  Er beklagt darin die Schwarz‐Weiß‐Malerei, mit der sich auf immer gleiche Weise der Geschichte dieses Landes angenommen wird: Stets dieselben Gesichter, dieselben Klischees, dieselben Farbfilter.

Großartiger Text!