Eigentor Geburtsort

Zu Anfang sollten wir einige Dinge feststellen: Fußball ist nur ein Spiel. Ticket-Verkäufer_innen müssen nicht über profunde Geographie-Kenntnisse verfügen. Und Geburtsorte sagen nicht zwangsläufig etwas über die Gewaltbereitschaft derjenigen aus, die von dort stammen. So weit, so einfach.

Schwierig wird es, wenn das alles nicht mehr stimmt. Wenn Fußball-Fans im Stadion zur Gefahr werden. Wenn die Vereinsführung bestimmte Fans nur im Gästeblock haben möchte. Und beim Ticketverkauf unklar wird, von wem diese Gefahr eigentlich ausgeht. So geschehen beim Kartenvorverkauf für das Match Holstein Kiel gegen Hansa Rostock. Die Aussagen von Interessenten und Vereinsführung sind da recht unterschiedlich — daher hier einige Ausschnitte:

[Zuschauer können nur im Fanshop die Karten kaufen.] Ausnahme laut Geschäftsführer Wolfgang Schwenke: „Diejenigen, die in Rostock geboren sind“.
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Die Regelung betreffe laut Schwenke den „umliegenden Postleitzahlenbereich von Rostock“.
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[Betroffene mit Geburtsorten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen berichten, dass sie keine Karten bekommen konnten.] „Wenn Sie im Westen geboren wären, hätte ich Ihnen Karten verkauft“, sagte die Dame im Fanshop. […] Auch ein Interessent aus Lübeck bekam keine Karten, „weil Lübeck angeblich näher an Rostock als an Kiel liegt und Lübecker sich auch nicht mit Kielern verstehen“.
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Interessenten, die entweder direkt aus Rostock kommen oder aus einem Ort, der weniger als 100 Kilometer vom Rostocker Stadtkern entfernt liegt, [dürfen] ausschließlich Karten für den Gästeblock erwerben.
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Es habe „absolut nichts mit Diskriminierung zu tun, und es tut mir leid, wenn Fans keine Karten bekommen“, [so der Geschäftsführer von Holstein Kiel]. Aber irgendwo müsse man anfangen, und Ostdeutsche seien generell gewaltbereiter.
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Die Grenze der Diskriminierung sieht [Christoph Schickhardt, Anwalt für Recht im professionellen Sport], im konkreten Fall jedoch nicht überschritten. Unzulässig wäre seiner Auffassung nach, wie zunächst berichtet, der Ausschluss der Zuschauer aus dem gesamten Osten Deutschlands. „Hier gäbe es dann keine sachlichen Gründe mehr. Das wäre nicht zulässig“.
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„Wir meinen, wer 24 Jahre nach der deutschen Einheit Ostdeutsche generell für gewalttätiger hält, als Westdeutsche, sollte im deutschen Fußball kein Amt bekleiden“.
Blau-Weiß-Rote Hilfe Rostock

Mein Vorschlag zur Güte: Die Mitarbeiter_innen von Holstein Kiel bekommen Nachhilfe in Geografie und alle Ostdeutschen, die nicht den gängigen Klischees entsprechen, suchen sich einen neuen Geburtsort. Alle Probleme gelöst!

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