Der freie Wille

Gregor Gysi und die Stasi: Ein aktueller Spitzenkandidat, der für ein diktatorisches System gearbeitet haben soll. Welch ein Politikkrimi! Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg, denn Gysi könnte bei seiner eidesstattlichen Versicherung gelogen haben. Das Dokument lässt sich bei der Welt nachlesen. Die entsprechende Stelle lautet:

Ich habe zu keinem Zeitpunkt über Mandanten oder sonst jemanden wissentlich und willentlich an die Staatssicherheit berichtet.

Um diese Aussage geht es der Staatsanwaltschaft und darum geht es auch in den Medien: Hat Gregor Gysi als Anwalt dem Ministerium für Staatssicherheit zugearbeitet? Oder konkreter (bei der FAZ): Hat er „wissentlich Kontakt zur Staatssicherheit der DDR gehabt?“

Das Wissen ist aber nicht der entscheidende Teil seiner Aussage. Entscheidend ist der Wille. Denn wenn das aktuelle Verfahren Beweise dafür liefern sollte, dass Gysi der Staatssicherheit zugeliefert hat, dann hätte er wissentlich berichtet. Ob er dies aber auch aus freien Stücken getan hätte: Das ließe sich überzeugend abstreiten. Denn wie hätte man willentlich handeln können in einem Land, das bereits beim gemeinsamen Töpfchengehen mit voller Autorität zum Kollektiv erzog? In einem System, in dem die Stasi allgegenwärtig war? Ein Land, das sich dem Rechtsstaat derart verweigerte, konnte ja gar keinen Platz lassen für einen freien Willen.

Zumindest nicht, wenn man den Großteil der medialen Stimmen über die DDR ernst nimmt. Und warum sollten wir damit aufhören, wenn es um Gregor Gysi und die Stasi geht? Freier Wille in einer Diktatur, ts…

[Unpassenden NS‐Vergleich bitte hier einfügen.]

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