Wie wird der Westen Deutschlands in den Medien dargestellt? Kommt Ihnen diese Frage seltsam vor? Aber warum eigentlich? Vielleicht, weil seit Jahren viel darüber diskutiert wird, wie Ostdeutschland in den Medien präsentiert wird (Ein Blick auf die umfassende mediale Diskussion dazu findet sich auf dieser Seite). Müssten die Medien daher nicht auch ihre Darstellung des Westens hinterfragen, um ihr Bild von Ostdeutschland besser zu verstehen?
Vielleicht wird in den Redaktionen über diese Themen gesprochen. Bislang aber hat kein Artikel, kein Audio- oder Video-Beitrag die Darstellung des Westens in den Medien thematisiert. Dies ist besonders auffällig, da es über 60 mediale Beiträge zu „Ostdeutschland in den Medien“ gibt.
Der Grund könnte einfach sein: Die westdeutsche Mehrheitsgesellschaft wird als „Standard“ oder „Norm“ betrachtet, während Ostdeutschland als „anders“ gilt. Und wie es mit Normen so ist: Sie werden kaum als solche wahrgenommen, noch weniger hinterfragt und das wird erst recht nicht thematisiert.
Das (vermeintlich) „Andere“ hingegen erscheint interessant und berichtenswert oder ganz konkret: Warum ist/tickt/wählt/bleibt der Osten anders?
Aber: Gelten diese Fragen nicht auch für „den Westen“?
Denn: Was als „Standard“ und „Norm“ gilt, das ist eigentlich eine Frage der Perspektive: Meine eigene Perspektive ist für mich die Norm. Wenn es aber auf gesellschaftlicher Ebene nicht denkbar oder irritierend ist, bestimmte Fragen zu stellen („Warum ist/tickt/wählt/bleibt der Westen anders?“), dominiert eine Perspektive. Das sollte in einer vielfältigen Medienöffentlichkeit nicht passieren.
Bei einwende werden wir deshalb auch einen Blick auf die Darstellung „des Westens“ werfen – und diese als Norm hinterfragen. Und wir freuen uns, wenn „die Medien“ (wir verallgemeinern ja gerne) das auch tun und Selbstverständlichkeiten in Frage stellen.
Denn das ist die Aufgabe eines guten Journalismus: Verschiedene Perspektiven einnehmen.
Wo wird bereits kritisch auf „Westdeutschland als unsichtbare Norm“ geschaut? Wir freuen uns über jeden Hinweis an kontakt@einwende.de oder über unsere Social-Media-Kanäle.
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