Aktuelle DDR-Vergleiche #35 – USA

In den letzten Jahren wurde ja nicht mehr so häufig mit der DDR verglichen (zumindest nicht so, dass es uns einer Erwähnung wert gewesen wäre).

Jetzt aber endlich wieder: In der taz zeigt Simone Schmollack auf, wie die USA unter Donald Trump analog zur DDR unter Erich Honecker Politik durch Sprache gestaltet:

Was regen sich denn alle so auf, dass US-Präsident Donald Trump bestimmte Wörter nicht mehr lesen will? Climate crisis zum Beispiel, also Klimakrise. Oder immigrants. (…) In der DDR gab es auch keine Immigranten, es gab nur Vertragsarbeiter, und die kamen aus Vietnam, Angola, Kuba, Mosambik, Algerien.

Aus Ernst wird Spaß

Etwas aber ist neu. Früher, da war so ein DDR-Vergleich noch ein ernsthafter Vorwurf, geäußert von Menschen aus Politik und Wirtschaft. So verglich Wolfgang Schäuble mit der Türkei, der VW-Vorsitzende Müller mit regulierten Managementgehältern und „Die Presse“ mit Österreich. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Ganz anders der Text von Simone Schmollack. Er ist eine humoristische Glosse, der das Thema bis zur Unkenntlichkeit ins Absurde führt:

„Trump indes lässt Frauen aus dem ihm genehmen Vokabular streichen. Das klingt nicht so nett, aber nett sein geht eben nicht immer: In dem Sauladen muss doch mal jemand aufräumen, nur die Harten kommen in den Garten. Aber hat Trump bedacht, dass er und seine virilen Bros dadurch schwul werden? Wenn Frauen nicht existieren, mit wem sind seine Jungs dann verheiratet?“

Wer hält dem Vergleich stand?

Den früheren Vergleichen war immer gemein, dass sie bei näherer Betrachtung in sich zusammenfielen. Sie verharmlosten entweder die DDR oder bauschten aktuelle Entwicklungen auf – je nach Betrachtungswinkel. Als Angela Merkel bereits 2013 einen DDR-USA-Vergleich anstellte, verglich sie die Stasi mit der NSA. Puh. Und in den letzten Vergleichen schwang auch immer eine politische Instrumentalisierung durch die AfD mit: Deutsche Politik delegitimieren, wann möglich. Egal, ob etwas dran ist.

In der taz-Glosse passiert geradezu das Gegenteil: Angesichts der real existierenden US-Sprachverbote nehmen sich die von Schmollak beschriebenen DDR-Sprachregelungen geradezu niedlich aus: „Hostessen“ statt „Prostituierte“ und Verbot des Begriffs „Zone“. Auf US-Seite: 200 Begriffe inklusive „Frau“.

Was für ein Desaster für DDR-Vergleich-Industrie! Oder eben auch: Was für eine Chance für all jene, die nur allzu gerne die DDR verharmlosen. Aber wahrscheinlich hätten sie es selbst nicht für möglich gehalten, dass die DDR in so einem Bereich der USA unterliegt…


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