Publikation zum Umgang mit der DDR-Vergangenheit

Einer der Gründe dafür, dass es bei der Integration der ehemaligen DDR in die Bundesrepublik zu erheblichen Spannungen zwischen Westdeutschen und Ostdeutschen kam, war sicherlich, dass die Kenntnisse über die einst eingemauerte DDR im Westen gering waren. Doch auch die Bereitschaft der Westdeutschen, die für sie unbekannten Erfahrungen und Sichtweisen der Ostdeutschen kennen zu lernen, sie zu verstehen oder zumindest zu akzeptieren, entwickelte sich nicht so, wie es von vielen Ostdeutschen erhofft wurde.

Dieser kritische Blick auf die Rolle Westdeutschlands beim Vereinigungsprozess ist unter dem Titel „Ostalgie. Zum Umgang mit der DDR-Vergangenheit in den 1990er Jahren“ bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen erschienen. Der Sozialwissenschaftler Thomas Abbe untersucht darin, wie Symbole der DDR-Zeit aus dem öffentlichen Raum verschwanden und als „Ostalgie“ wieder auftauchten. Diese versteht er als „Laien-Diskurs über Vergangenheit und Gegenwart der Ostdeutschen“ und damit als Möglichkeit, aktiv über die eigene Vergangenheit zu bestimmen:

Ostalgie weist – mehr oder weniger demonstrativ – darauf hin, dass ein Teil der Ostdeutschen bei ihrer Integration in das vereinigte Deutschland, auf ihre eigenen, von denen der westdeutschen Mehrheit abweichenden Erfahrungen, Erinnerungen und Werte nicht verzichten wollen.

Stasi-Keule ausgepackt

Normalerweise packen sie gerne die in der alten Bundesrepublik etablierten Parteien aus: Die Stasi-Keule. Die SED-PDS-Nachfolgepartei Die Linke wäre demnach von Spitzeln und Mauerschützen besetzt, würde gerne alles verstaatlichen, was ihr in den Weg kommt, den armen Reichen das Geld wegnehmen und vielleicht sogar eine Straße nach Honecker benennen.

Aber bevor es hier noch unsachlicher wird, werde ich aus einem Gutachten für die Enquete-Kommission des Brandenburger Landtages zu „Personeller Kontinuität und Elitenwandel in den Parteien“ zitieren: Demnach habe die CDU ihre Rolle als Blockpartei „völlig unzureichend“ aufgearbeitet.  Es habe vielmehr ein „völliges Ausbleiben“ einer Auseinandersetzung mit ihrer Rolle in der SED-Diktatur gegeben. Weiterhin stellt das Gutachten fest: „Offensichtlich wird die Strategie verfolgt, mit der wiederholten Schilderung persönlich erlebten Unrechts der CDU im Nachhinein den Status eines Opfers und nicht Mitverantwortlichen der SED-Diktatur zu verleihen.“

Auch die FDP habe ihre DDR-Vergangenheit (als LDPD und NDPD) nur unzureichend aufgearbeitet und sei „nachsichtig mit den Verstrickungen in den eigenen Reihen als auch mit denen des Ministerpräsidenten Stolpe“ umgegangen. Zu eigenen Stasi-Fällen gebe es keine klare Linie.

Von den Grünen seien „kaum vergangenheitspolitische Impulse“ ausgegangen und die SPD habe kein Interesse an der Aufarbeitung der DDR gehabt.

Das Gutachten gibt Der Linke „bemerkenswert gute Noten bei der Aufarbeitung der eigenen Geschichte. Die Partei „ging und geht offen mit ihrer DDR-Vergangenheit um“.

Ein Vorgehen, das man den anderen Parteien nahe legen würde, anstatt nur loszuschreien, wenn es um den politischen Gegner geht.

(Das Gutachten stammt von Mario Niemann, Christoph Wunnicke und Ehrhart Neubert und ist bislang unveröffentlicht. Die Zitate stammen aus den Potsdamer Neuesten Nachrichten und der Berliner Zeitung vom 1.8.2011, leider nicht online.)

Vom Verstecken der DDR-Geschichte

Die Gentrifizierung im Ostteil Berlins nach 1990 war auch immer eine Verdrängung ostdeutsch sozialisierter Menschen, der Abriss des Palastes der Republik war auch eine Rückholung des alten Preußen. Jetzt geben sich Gentrifizierung und Preußenwahn die Klinke in die Hand.

In der Kulturbrauerei im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ab 2014 eine Dauerausstellung zum Alltag in der DDR entstehen, dahinter steht die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Endlich. Aber auch: Schade. Denn damit ist der ehemalige Ost-Berliner Arbeiterbezirk endgültig dorthin entschwunden, wohin ihn der Umbau der Bevölkerungsstruktur sowieso schon gebracht hat — in die Geschichte.

Und es ist auch schade, weil der DDR-Geschichte nur ein Platz in dieser ansonsten museumsfreien Zone, aber nicht in der Mitte Berlins zugestanden wird. In der Nähe der Museumsinsel, schräg gegenüber vom Deutschen Historischen Museum, hätte es einen wunderbaren Ort für eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Abschnitt deutscher Vergangenheit geben können: Den Palast der Republik. Aber hier entsteht ja nun die Disneyland-Version von Preußen, die DDR findet da nur im ähnlich verkitschten „DDR-Museum“ Platz.

Vom kleinen Unterschied

„Gerade CDU-Politiker unterscheiden stets genau zwischen deutscher Geschichte und DDR-Geschichte.“

(Linke-Innenpolitikerin Gudrun Tiedge aus Sachsen-Anhalt, zitiert in der Volksstimme.)

Ich würde das nicht auf Menschen aus der CDU einschränken, aber: Ja.

Geschichtspolitik mit Schlössern 1

Ich habe ja immer gedacht, die Vernichtung von DDR-Architektur in der Innenstadt zeigt den Kampf West gegen Ost: Der Palast der Republik musste weg, weil er für das besiegte sozialistische Gesellschaftssystem stand. Dass dort stattdessen das Berliner Stadtschloss wiederaufgebaut werden sollte, hielt ich für ein Feigenblatt, um die Dinge nicht direkt ansprechen zu müssen. So dachte ich. (mehr …)