„Der Sturz“: Geschichtsvergessendes Drama

Der Dokumentarfilm „Der Sturz — Honeckers Ende“ wurde am 2. April 2012 in der ARD gezeigt und bot eine kleine Sensation: Margot Honecker gab erstmals in ihrem chilenischen Exil ein Interview und rückte nirgends von ihren altbekannten Positionen ab. Das mediale Getöse um ihre Äußerungen war entsprechend groß, obgleich ihre Haltung nicht wirklich überraschen konnte. Es lenkte davon ab, dass die Dokumentation neben Margot Honecker zwar viele höchst prominente Interviewpartner_innen vorweisen kann, in ihrem Kern aber schlecht gemacht ist (so wird einem Klangteppich mehr vertraut als den Inhalten) und eine fragwürdige Argumentation fährt: Die Politik in der DDR wird auf das unbedarfte Handeln Erich Honeckers reduziert. Eine solche Personalisierung mag für die dramatische Aufbereitung hilfreich sein, einem historisch differenzierten Blick dient sie keinesfalls.

Interessant ist das Schlusswort, das Helmut Schmidt sprechen darf:

Im Jahre 2030 […] werden nicht einmal mehr die Kinder in der Schule lernen, wer Erich Honecker gewesen ist.

Ganz gleich, ob dies seine eigene Hoffnung darstellt oder ob der Bundeskanzler a.D. lediglich bestehende Entwicklungen analysiert: Diese Ansicht ist fatal. Denn Honecker zu vergessen, heißt auch die DDR zu vergessen —  dabei wird immer wieder das fehlende Wissen von Schulkindern über die DDR beklagt. Man mag jenen Staat als Irrweg ansehen (was unterstellt, dass es einen richtigen Weg gebe), dennoch handelt es sich um 40 Jahre Geschichte. Eine historische Betrachtung und ein Urteil über diese Zeit, dieses Land und seine Menschen sollten auch zukünftig möglich sein. Ein Vergessen dieser Zeit nimmt ein jedwedes Urteil vorweg und ist letztlich kontraproduktiv: Mit Ansichten wie denen von Margot Honecker könnte dann nicht mehr inhaltlich fundiert umgegangen werden.

„Der Sturz“ wird am 12. April um 20:15 im NDR wiederholt.

Neu! DVD‐Edition zur Hälfte einer Stadt

Berlin steht wie keine zweite Stadt für die deutsche Teilung:  Zwei Gesellschaftsformen wurden hier nebeneinander gelebt — mit all ihren unterschiedlichen kulturellen Ausprägungen. Es kann also spannend sein, was auf der jeweils anderen Seite der Mauer entstanden ist und erkenntnisfördernd sowieso für die gegenseitige Annäherung. Wie gut, dass die Berliner Morgenpost nun eine DVD‐Box mit Berlin‐Filmen der letzten 80 Jahre herausgibt.

Aber halt! Unter den 10 Filmen gibt es keinen einzigen, der von der DEFA produziert worden ist — der zeitgenössische Blick aus dem Osten auf Ost‐Berlin fehlt also völlig. Stattdessen erzählt die DVD‐Box zu 40 Jahren nur eine halbe Film‐Geschichte — eine Stadthälfte fehlt der „Berlin Edition“ ebenso wie der Bindestrich. Das können auch die retrospektiv gedrehten „Sonnenallee“ und „Good Bye, Lenin!“ nicht ändern.

Dass es an passenden Filmen gefehlt hätte, kann diese kurze Liste widerlegen:

Weitere Filme finden sich beim Wikipedia‐Eintrag „Liste von Filmen mit Bezug zu Berlin“. Dieser ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da als Produktionsland ausschließlich „Deutschland“ angegeben wird.

Womit wir wieder beim Problem vom Anfang wären: Die Geschichte einer Teilung kann nicht ehrlich erzählt werden, wenn eine der Perspektiven nicht beachtet wird.

Dass es durchaus besser geht, hat etwa das Deutsche Historische Museum 2009 gezeigt: Dort lief die Filmreihe „Berlin im Film“, die Werke aus beiden Stadtteilen berücksichtigt und gegenübergestellt hat.

Vielen Dank an Anna für den Hinweis!

Die Medien und der Soli

Auf einwende haben wir ja die ganze leidige Soli‐Debatte außen vorgelassen. Die heute‐show kann das mediale Brimbamborium sowieso viel treffender aufzeigen.

Beiträge über klamme westdeutsche Kommunen werden jetzt immer mit extrem trauriger Musik unterlegt. Und wenn es um Kommunen im Osten geht, werden grundsätzlich nur die goldenen Dächer von Dresden gezeigt.

Was soll man auch sonst zu einem Thema sagen, dass zum Wahlkampf in Nordrhein‐Westfalen aufkommt und vor allem von Unwissen geprägt ist?

Ungezeigte Filme aus der DDR

Alle dürfen sagen: DDR, Stasi, Dreck. Und Schlöndorff kann sagen, die Defa war scheiße, und die Filme waren zum Quieken. Wenn man so etwas wie „Junge Frau von 1914“ oder „Erziehung vor Verdun“ zeigte, ich weiß nicht, was da passieren würde. Es wird nicht gezeigt, mit Absicht, weil die Leute dann vielleicht sagen, ach, so was fand da statt?

So die Schauspielerin Jutta Hoffmann. Sie wurde 1972 in Venedig als beste Schauspielerin ausgezeichnet und erhielt den Deutschen Kritikerpreis. Anfang der 1980er Jahre verließ sie die DDR. Weitere Informationen zu ihrer Laufbahn bei Wikipedia.

Denkmalschutz, Identität und Asbest: Die CDU und das ICC

Offenbar sind nicht alle Mitglieder der Berliner CDU in der vereinten Hauptstadt angekommen. So wird gegenwärtig nicht nur über die Sanierung des Kongresszentrums ICC debattiert, sondern auch darüber, es unter Denkmalschutz zu stellen.

Als Begründung führt der CDU‐Abgeordnete Stefan Evers an, dass das Gebäude „in der Identität der Stadtgesellschaft tief verankert“ sei. Zur Erinnerung: Mit einer ähnlichen Argumentation hatte die Partei 2008 für den Erhalt des Flughafens Tempelhof gekämpft. Sie musste feststellen, dass sie damit nur für den Westteil der Stadt spricht. Ähnlich dürfte der Fall beim 1979 eröffneten „Internationalen Congress Centrum“ liegen.

Ost‐Asbest und West‐Asbest

Auch kommt ein Thema gar nicht zur Sprache: Die Asbest‐Belastung des ICC. Der Baustoff, der ein gebetsmühlenartig wiederholter Grund für den Abriss des Palastes der Republik war (bei dem die CDU eine treibende Kraft war), bereitet hier offenbar keine Probleme. Die einzig mögliche Erklärung: Es gibt Ost‐Asbest und West‐Asbest.

DDR‐Design: Depot statt Museum 2

Man stelle sich vor: Ein Museum verfügt in seinem Depot über mehr als 160.000 Gegenstände und alles, was dem zuständigen Kurator dazu einfällt, ist:

„Eine Design‐Ausstellung wird es nicht geben.“

Abwegig? Genauso ist es geschehen: Am 15. 03. 2012 lud das Museum der Dinge in Berlin zu einer Diskussionsrunde — und bereits der Titel war verräterisch: „DDR‐Design – zu Recht vergessen?“ Das klingt, als sei es eine legitime Frage, ob man sich überhaupt mit Dingen der Vergangenheit beschäftigen sollte. Ob man der DDR eine eigene Design‐Kultur, eine eigene Kreativität zugestehen könne. Mit Fragen wie diesen beschäftigt man sich am besten an den Design‐Stücken selbst. Doch das lässt der Kurator des Bonner Hauses der Geschichte, Dietmar Preißler, nicht zu — siehe Zitat oben. Und auf diese Weise wird die Antwort bereits vorweg genommen. Dieser Umstand ist umso brisanter, da der Rat für Formgebung derzeit ein deutsches Design‐Museum plant. Böte dies nicht Platz, das Design der DDR und der ehemaligen BRD in Beziehung zu setzen? Es sieht leider nicht so aus, als sei dies gewünscht.

Die Gegenstände aus der DDR bleiben vorerst im Depot in Berlin‐Spandau. Zumindest 1000 Objekte seien online verfügbar, allerdings ist die entsprechende Datenbank zur Zeit nicht verfügbar. Wie auch immer — das ändert nichts daran, dass westdeutsches Design als deutsches Design im Museum zu finden ist, während ostdeutsches Design nicht öffentlich zugänglich ist:

„Es ist ein Skandal, dass sie seit Jahren im Depot sind“,
so lautet denn auch das Urteil des Designhistorikers Walter Schieffele.

Die Zitate stammen aus dem Veranstaltungsbericht der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Weitere Eindrücke gibt es beim Berliner Tagesspiegel.

Die subversive Schnauze

Wer als ostdeutsch sozialisierter Mensch darüber schreibt, wie westdeutsch sozialisierte Menschen den ostdeutschen Osten sehen, der braucht oft einiges an subversivem Potenzial; vor allem, wenn diese ostdeutsche Sicht auf die westdeutsche Sicht westdeutsch herausgegeben wird.

Holger Witzel tut dies seit 2009 in seiner Glosse „Schnauze, Wessi“ auf stern.de. Nun sind diese Glossen in Buchform erschienen — und darüber, wie dieses Buch zustande gekommen ist, gibt es eine eigene Glosse. Wie schwierig es dabei ist, nicht bei DDR‐Nostalgie oder Humorbüchern zu landen und dabei all die Stereotypen fortbestehen, wird hier besonders auffällig — denn genau darum geht es in „Schnauze, Wessi“:

So kann ich nur hoffen, dass die eigentlichen Adressaten ordentlich dafür blechen, sich beschimpfen zu lassen: Wie bei einer Domina sollen sie dafür nicht etwa Schmerzensgeld bekommen, sondern für alles bezahlen. Sind sie ja gewohnt aus dem Osten, werden sie denken. Aber das ist genauso ein Irrtum, wie sich die überraschend freundlichen — das kann man ruhig auch mal zugeben — Verlagsleute vielleicht einen anderen Selbstvermarktungs‐Text zum Verkaufsstart ihres Buches vorgestellt haben.

„Bürgerrechtler“ 2

Mit das Schlimmste, was einer sozialen Bewegung passieren kann, ist es, wenn ihr die Selbstbezeichnung aberkannt wird und sie so von außen benannt und instrumentalisiert wird. So ist es mit den Protagonistinnen und Protagonisten der Bürgerrechtsbewegung der DDR im vereinten Deutschland geschehen.

Quatsch? Doch: Diejenigen, die Kritik an der Herrschaft in der Deutschen Demokratischen Republik übten, verstanden sich nämlich nicht als Bürgerrechtler — sie bezeichneten sich selbst als Opposition. Hans‐Jochen Tschiche sagt dazu im Interview mit dem Freitag:

Ich bin kein Bürgerrechtler. Diesen Namen haben sie uns im Westen gegeben, das Wort kannte ich zu DDR‐Zeiten gar nicht. […]

Durch die Kandidatur von Joachim Gauck höre ich es nun immerzu. Aber „Bürgerrechtler“ klingt für mich so, als hätten wir damals gewollt, dass alles so wird wie heute. […] Wir sind aber damals nicht nur für die Freiheitsrechte angetreten, sondern es ging uns um drei Dinge: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und wir vertraten eine grundsätzliche Kritik der modernen Industriegesellschaft.

Woher die neue Bezeichnung kam, kann ich nur vermuten: Sicherlich ist sie beeinflusst von den bekannten Bürgerrechtsbewegungen, vor allem dem civil rights movement in den USA unter Martin Luther King. Wahrscheinlich steckt auch die Vorstellung dahinter, dass nur Bürger für die eigenen Rechte auf die Straße gehen würden, nicht aber Arbeiter und Bauern — man beachte die doppelte Bedeutung von „Staatsbürgertum“ (alle Angehörigen eines Staates) und „Bürgertum“, das vor allem auf die Mittelschicht abhebt.

Unterschlagen wird dabei, dass es der Opposition in der DDR um Menschenrechte ging — es ging ihnen also nicht nur um eine Verbesserung der Zustände in der DDR allein. Man kann dies utopisch finden oder aber leugnen, dass dies notwendig gewesen wäre. Dies ist geschehen, indem sie als „Bürgerrechtler“ auf ihr eigenes Land beschränkt werden. Mit dieser Bezeichnung sieht es nun also so aus, als hätte die DDR‐Opposition die BRD‐Zustände haben wollen — und die Bundesrepublik kann sich so als das gelobte Land des Widerstandes inszenieren.

Das ist das vielleicht bitterste Ergebnis der oppositionellen Bewegung der DDR: Sie bekamen im Westen ein neues Label, mit dem sie sich überhaupt nicht identifizieren können und das ihre Ziele fehldeutet. Und das, was sie tatsächlich erreichte, wurde ebenfalls fremdbenannt und fremdgedeutet: Der Begriff „Wende“ stammt von Egon Krenz, erwähnt er ihn in seiner Antrittsrede am 18. Oktober 1989. (Update: Hier die vollständige Rede von Krenz mit dem entsprechenden Wortlaut als PDF. Zuvor habe ich auf diesen Text verwiesen. Dessen Autor Eckhard Jesse sollte allerdings mit Vorsicht gelesen werden, da er die in Politologenkreisen umstrittene Extremismustheorie mitbegründet hat und auch für eher rechtslastige Positionen bekannt ist.)

Der Osten bleibt wirtschaftlich zurück

Das lässt tief blicken: Das Bundeskanzleramt hält seit über einem Jahr eine kritische Studie zum Solidarpakt zurück: Demnach bringe eine weitere Förderung der Neuen Bundesländer nichts mehr, denn es gebe keine  export‐ und forschungsstarken Unternehmen sowie Konzernzentralen. Erschwerend komme der Wegzug junger und gut ausgebildeter Menschen hinzu. Das Fazit:

„Die Vorstellung einer vollständigen Angleichung des Ostens an das Westniveau ist eine Illusion.“

Wieso wird die Veröffentlichung bislang verhindert? „Das Gutachten gefällt politisch nicht“, zitiert die FAZ eine involvierte Person. So fürchte sich die Bundesregierung vor einer neuen Ost‐West‐Debatte.

Was wahrscheinlich noch hinzu kommt: Solange die Fördermaßnahmen bestehen, kann die Regierung darauf verweisen, dass sie ja etwas für den Osten tue: Fassaden verputzen und Einkaufszentren bauen, auch wenn damit offenbar nichts an den Ursachen verändert wird. Denn ohne Jugend und eigenständige Wirtschaft bleibt es reine Oberflächenkosmetik.

Ein Stopp des Geldflusses trotz offenkundiger Unterschiede zwischen Ost und West — das wäre im Prinzip eine Bankrotterklärung  der gesamten Einigungspolitik, obwohl das schon seit dem Vorgehen der Treuhandanstalt absehbar gewesen wäre.

Ein weiteres Zurückhalten der Studie kann sich das Kanzleramt aber ebenso wenig leisten — wenn es die Werte der Freiheit (in diesem Fall: Informationsfreiheit) und der Mündigkeit der Bevölkerung ernst nimmt.

Mythos Gauck: Der Superossi 2

Die Medien überschlagen sich in ihren Beiträgen zu Joachim Gauck geradezu mit Lobeshymnen. Dabei fällt vieles unter den Tisch. Eine kleine Auswahl, wie der Präsidentschaftskandidat zum „Superossi“ (so Anja Meier in der taz),  zum „Heiland der westdeutschen Demokratie“ (Holger Witzel in seiner Glosse beim stern) oder zur „Bundes‐Freiheitsstatue“ stilisiert wird — und was tatsächlich dran ist:

Alle wollen Gauck

So der Stimmungseindruck, der oft vermittelt wird — bis auf ein paar Internet‐Verschwörungstheoretiker und die Linkspartei wollen ihn einfach alle. Dabei ist das gar nicht so eindeutig, so findet der stern in einer Umfrage heraus: Nur 62% der Ostdeutschen sind für Gauck. Eine Umfrage auf der Website des mdr war noch desaströser. Hier waren 78% gegen Gauck, das mag der Grund sein, warum der Sender plötzlich die Seite entfernt hat. Wie ernst man Umfragen auch nehmen mag: Im Osten ist Gauck offenbar nicht so beliebt, wie in den Medien gerne vermittelt wird.

Gauck litt in der DDR

Während der Spiegel ein Leben im Widerstand zeichnet, lassen sich auch andere Dinge finden. So erhielt Gauck einen VW‐Transporter durch das Ministerium für Staatssicherheit gestellt und genoss weitere Privilegien, die für viele Menschen in der DDR nicht selbstverständlich waren. Leiden und Unterdrückung sieht anders aus.

Gauck war Bürgerrechtlicher

„Bürgerrechtlicher“ — das ist wohl das häufigste Stichwort, wenn es um Gauck geht. Und es wird selten geklärt, was damit gemeint ist. Dabei gibt es durchaus eine breite Bedeutung, wie sie der Theologe Friedrich Schorlemmer anbringt: „Bürgerrechtler ist man entweder immer – oder man ist es nie gewesen.“ Oder man kann ganz spezifisch diejenigen meinen, die gegen die Zustände in der DDR gearbeitet haben. Und da sieht es nicht mehr so gut für Joachim Gauck aus. Während viele in den Bürgerrechtsbewegungen verfolgt wurden, wartete der Pfarrer mit seinem Protest bis zur letzten Minute, tatsächlich hat er nie zur DDR‐Opposition gehört.

Und es kommt Kritik von denen, die es am besten wissen müssen: Menschen aus der Opposition, die bereits Jahre vor dem Mauerfall auf einen ungewissen Ausgang hin arbeiteten: So findet Hans‐Jochen Tschiche: „Gauck ist die falsche Person“. Man mag diese Kritik abtun und als alte Konflikte bezeichnen. Beeindruckend bleibt jedoch ein Offener Brief von 1999, von dem im Moment überhaupt nicht gesprochen wird. Unterzeichnet ist er von Judith Demba, Bernd Gehrke, Renate Hürtgen, Thomas Klein, Silvia Müller, Sebastian Pflugbeil, Christina Schenk, Reinhard Schult und Bettina Wegner und sie fordern:

„Vorerst aber sprechen wir Ihnen das Recht ab, sich auf uns zu berufen, wenn Sie über die Opposition in der DDR sprechen.“

Auch die Begründung für diese Forderung ist unbedingt lesenswert — zeigt sie doch, dass die Angehörigen der ehemaligen Opposition bei ihm nicht sehen, wofür er als Bürgerrechtler einstehen sollte: Bürgerrechte.

„Wir wollten nicht nur mehr Mitbestimmung, wir wollten Teilhabe und Selbstbestimmung. Wir wollten nicht nur die papierne Freiheit, sondern auch soziale Gerechtigkeit. Fragen Sie die vielen Arbeitslosen, fragen sie vor allem auch die Frauen aus der ehemaligen DDR, was sie von der Koexistenz von Meinungsfreiheit und Obdachlosigkeit, von Versammlungsfreiheit und Erwerbslosigkeit, von Reisefreiheit und Sozialhilfebedürftigkeit halten.“

Trotz all der Ungereimtheiten und der Widersprüche bleiben sie wichtige Fixpunkte bei der Mythenbildung um Joachim Gauck als Erlöser: Die Zustimmung im Volk, seine schwierige DDR‐Zeit und seine Aktionen als Bürgerrechtler, die das Ende der DDR mit herbei führten.

Die Frage ist nur: Warum diese unkritische Beschäftigung mit dem Kandidaten für das Präsidialamt?

Wahrscheinlich ist: Gauck soll so sein, weil man so im Westen gerne die „guten“ Menschen aus der DDR sehen möchte: Eine schwierige Zeit in der Diktatur gehabt, aber für die Freiheit gekämpft. Und jetzt sollen sie die westlichen Werte von Freiheit und Verantwortung bitte schön lieben. Ganz so wie Joachim Gauck, der Superossi.

Ein paar Links via fefes Blog, ein paar andere von Anna, vielen Dank!